aus Bayerns Pferde - Zucht und Sport:

Mit Begeisterung und Leidenschaft Pferde züchten
Züchterfamilie Knott I
Ende Januar dieses Jahres lieferten Petra und Robert Knott die Auktionsspitze bei den Süddeutschen Hengsttagen.
Ein Rappe wurde im Frühjahr in fast allen Fachzeitschriften gefeiert. Der Grund: Bei den Süddeutschen Hengsttagen Ende Januar in München wechselte der Prämienhengst v. Destano/Rohdiamant für 120.000 Euro in das tschechische Staatsgestüt und war damit teuerster Hengst der Auktion.
Geboren wurde er auf dem landwirtschaftlichen Hof im oberbayerischen Irsching bei Vohburg.
Mittlerweile lebt mit Donna Laura (v. Lauries Crusador xx/De Niro) bereits die dritte Stutengeneration auf dem Betrieb - die vierte Generation ist in der Aufzucht. Keine Selbstverständlichkeit: Vor 20 Jahren gab es hier noch keine Pferde. Die brachte erst Robert Knott mit hierher.
Der hat seine Begeisterung für Pferde auch an seine Frau Petra und Tochter Milena weitergegeben. Die Zwölfjährige ist sattelfest und man trifft sie auf den umliegenden Turnieren.
Außerdem nimmt sie regelmäßig mit ihren Freundinnen an den Jungzüchtertreffen der PZG Holledau und des Landesverbandes teil (BAYERNS PFERDE 6/14).

Die Fohlen werden möglichst verkauft
Längst ist der Name Knott über die bayerischen Zuchtszene-Grenzen hinaus ein Begriff und viele Pferde tragen hinter ihrem Namen ein „K". Wie etwa Ray Ban RK und Captain Jack K, diese werden in dieser Saison die ersten S-Platzierungen erzielen. Viele andere von ihnen gezüchtete Pferde sind ebenfalls im Sport erfolgreich. Fast jedes Jahr werden sie vom oberbayerischen Zuchtverband und der PZG Holledau für ihre Erfolge geehrt. „Wir verkaufen unsere Pferde möglichst als Fohlen. Reiten und Ausbilden können andere besser als wir", sagt Robert Knott. Er habe ja erst als Erwachsender mit dem Reiten begonnen. Rund 80 % ihrer Zuchtprodukte verkauft das Züchterehepaar bereits als Fohlen. Auch der Destano-Sohn wechselte so in das Gestüt Sprehe, das ihn heuer bei der Süddeutschen Körung in München-Riem vorstellte. Für die Tiere, die nicht als Fohlen verkauft werden, wird möglichst im Reitpferdehalter (drei- und vierjährig) ein neuer Besitzer gesucht.
Zur Fohlenvermarktung fahren Petra und Robert Knott unter anderem auf Fohlenchampionate, wie etwa auf den Behrhof, zur PZG Holledau und zu Auswahlterminen für Auktionen . Über die Fohlenauktionen in München sowie der Süddeutschen Fohlenauktion in Nördlingen wechseln ihre Fohlen die Besitzer. Auch ins Ausland konnten sie schon mehrere Fohlen verkauft werden. Auf vielen Zuchtveranstaltungen ist die Familie während des ganzen Jahres anzutreffen. Zudem arbeitet die Familie eng mit Hengstaufzüchtern und Hengststationen zusammen. Aber auch Stammkunden kaufen ab Hof Fohlen und Pferde
Die Beiden reden nicht viel über ihre Erfolge. Doch in ihrem Haus, vom Erdgeschoss bis hinauf in den ersten Stock, hängt eine Auszeichnung neben der anderen.

„Die Qualität hat für sich gesprochen"
Die Liste der Erfolgspferde ist lang: vier gekörte Hengste, darunter unter anderem Flores Dream (v. Florestan aus der Staatsprämienstute Alisha von Donnerschwee). Auch Flores Dream war seinerzeit 2006 Auktionsspitze in München-Riem. Der Hengst gehört mittlerweile dem Nordrhein Westfälischen Landgestüt Warendorf. „Das ist der erste bayerische Hengst am Landgestüt in Warendorf", auf den das Ehepaar sehr stolz ist. Das ein bayerischer Hengst in Westfalen aufgestellt wird, ist keine Selbstverständlichkeit, hierfür muss er schon sehr überzeugend sein. Schließlich gibt es in ihrem Zuchtgebiet genug gute Hengste.
„Ich denke die Qualität hat hier für sich gesprochen",. Flores Dreams Erfolge sprechen für sich: Er erhielt bei seinem 70-Tage-Test in Warendorf 2009 auf seinen Charakter die 9,5, auf sein Temperament die 8,5, auf Trab, Schritt und Rittigkeit jeweils die 8,0 und siegte im Nachwuchspokal Fahren 2010 und 2011. Zudem war er Finalist beim Bundeschampionat der Fahrpferde 2010 und 2011. Den Hengst hatte Susanna Limbecker vom Gut Adelsried am Starnberger See auf der Münchener Fohlenauktion gekauft und aufgezogen.
Pia Kemper, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Landgestüt Warendorf ergänzt, dass für Flores Dream auch spricht, dass er ein Sohn von Florestan, einem ehemaligen Warendorfer Stempelhengst, ist und man diese Linie unbedingt erhalten wollte. Außerdem biete der Mutterstamm eine Blutalternative zu anderen Florestan-Söhnen. „Der Hengst ist zwar bayerisch gebrannt ,aber er wurde 2008 in Nordrhein-Westfalen gekört und auf der Körung von unserem Landgestüt erworben", sagt Kemper.

Zahlreiche Siegerfohlen
Zudem haben die Knotts sieben Staatsprämienanwärterinnen, z. B. die Fuchsstute Bavarian Dream, die zweimal Bayerischer und einmal Süddeutscher Champion war.
Staatsprämienstute Alisha war Landessiegerstute der Zweijährigen und Endringstute beiden Dreijährigen. Außerdem stehen zahlreiche Siegerfohlen auf dem Konto . „Wir haben das Fohlenchampionat der PZG Holledau vier Mal gewonnen und mehrfach 2. und 3. Plätze belegt, beim Championat der Züchtervereinigung Niederbayern am Behrhof holten wir drei Mal die Siegerschärpe, für den oberbayerischen Zuchtverband stellten wir sechs Mal den Tagessieger, vier Mal den Reservesieger und mehrere Endringfohlen", zählt Petra Knott die Auszeichnungen ihrer Pferde auf.
Zudem erhielten weit mehr als 30 Fohlen die Goldmedaille. Wobei: Fohlen, die ab Hof verkauft wurden, und Fohlen, die nicht zum Verkauf standen, wurden gar nicht erst zur Prämierung vorgestellt.
Neben dem diesjährigen Erfolg bei den Süddeutschen Hengsttagen war 2006 das „absolute Erfolgsjahr". Von den vier in diesem Jahr geborenen Fohlen wurden zwei Hengste gekört: Besagter Flores Dream und Stationär (v. Stalypso aus der Tettania, B.: Gestüt Pachern, Österreich). Das dritte Fohlen ist die mittlerweile leistungsgeprüfte Staatsprämienstute Bonjour Piccola (v. Fürst Piccolo aus der Bellinda).
Fohlen, die nicht verkauft wurden und Jungtiere für die eigene Nachzucht kommen auf die Fohlenweide in einem befreundeten Aufzuchtbetrieb. Die beiden Betriebe arbeiten seit 15 Jahren zusammen. Eine lange Zeit, zumal Robert Knott erst seit 25 Jahren züchtet. Auch sonst setzt die Familie man auf Kontinuität: Das Ehepaar arbeitet seit 20 Jahren mit dem gleichen Tierarzt und dem gleichen Schmied zusammen.

„Wenn du dabei sein willst, brauchst du eine gute Stute!"
Robert Knott war schon als kleiner Bub „rossnarrisch". Er musste sich alles selber erarbeiten. Von seinem ersten selbst verdienten Geld kaufte er sich deshalb mit 18 Jahren eine Stute. Dass es nicht die beste für seine züchterische Karriere sein würde, merkte er bald an der Qualität der Fohlen. Sein Durchbruch kam dann 1995 mit dem Kauf der damals fünfjährigen Staatsprämienstute Annabella (v. Piaster/Akzent I), die heute noch auf dem Betrieb steht. Diese Stute hat nicht nur einen gekörten Hengst, sondern auch vier Töchter, die den Titel Staatsprämienstute tragen, und im Sport erfolgreiche Nachkommen bis M-Springen und S-Dressur. Aus dem Zuchtgebiet Hannover kaufte Robert Knott dann die Staatsprämienstute Bellinda (v. Bolero/Wendekreis, geb. 1986) dazu. Sie stammt aus einem der bewährtesten Stutenstamm Hannovers.
„Solche Stuten waren damals unbezahlbar. Aber unser alter Hufschmied hat gesagt ‚Wenn Du dabei sein willst, brauchst du eine gute Stute‘", erzählt der Züchter, der mit Annabella und Bellinda den Grundstein seiner Zucht legte.
Die Entscheidung war goldrichtig: Bellinda ist die Großmutter des Destano-Rohdiamant-Sohnes, der Ende Januar bei der Süddeutschen Körung als teuerster Hengst für Schlagzeilen gesorgt hatte. Sie hatte in 14 Zuchtjahren zwölf gesunde Fohlen zur Welt gebracht und wurde aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Eigenleistung und Fruchtbarkeit in die Leistungsstutbücher A und D der FN eingetragen.
Tettania? Ungesehen gekauft hatte Robert Knott 2005 die Oldenburger Verbandsprämien- und Elitestute, die jetzt ihren Lebensabend mit Annabella in Irsching verbringt. „Ich wollte immer schon eine Landadelstute mit Top-Springabstammung", so Robert Knott. Es sollte sich lohnen: Sie kommt aus einem der besten Oldenburger Stutenstämme, die es überhaupt gibt. Aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Eigenleistung und Fruchtbarkeit wurde Tettania in das FN Leistungsbuch A und C eingetragen. Sie brachte mehrere Sportpferde, die gleichermaßen in Dressur und Springen bis Kl. M erfolgreich sind. 2006 brachte sie Stationär (v. Stalypso). Dieser Hengst wurde 2009 in Berlin-Brandenburg gekört und anschließend an das Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse verkauft. Mit Lordanos Bavaria, der 2005 in München süddeutsch gekört wurde, hat Tettania zudem einen weiteren gekörten Sohn.

Immer aufs Gefühl gehört
Sein Wissen konnte er über all die Jahre ausbauen und vertiefen. Bei Besuchen auf Zuchtveranstaltungen (Körung, Stutbucheintragung, Landesschau, Fohlenschauen) und Turnieren sowie Seminare. Viele Fachzeitschriften und Lektüren findet man im Hause. So bildete er sich immer eine eigene Meinung und hört dabei immer wieder auf sein Gefühl. Bei mancher Diskussion sagt er auch schon mal seine Meinung. Bei der Wahl der Hengste ist Robert Knott sehr kritisch.
Der Züchter sagt, dass er seine Stutengenerationen gut kennt und deshalb weiß, welche Hengste sie brauchen. Wichtig seien Charakter, die Gänge und Rittigkeit. „Wir schauen immer, dass wir mit dem Hengst die Stuten verbessern können. Typ/Korrektheit, Rittigkeit Gang und Charakter sind für uns ausschlaggebend." Das bedeutet auch Auslese: Erfüllt eine Stute die züchterischen Erwartungen nicht, sei es besser, sich beizeiten von ihr zu trennen.
Petra Knott, die über ihren Mann zu den Pferden kam, kennt sich ebenfalls gut aus. „Ich habe damals bei null angefangen, mich aber immer interessiert und bin hineingewachsen. So intensiv zu züchten kann man ja nur zu zweit machen", meint sie.
Das Ehepaar schaut sich auf Körungen und Präsentationen Hengste an. Sie fahren aber auch auf Hengststationen, lassen sich die Hengste dann vorführen und achten sehr genau auf das Gebäude, die Korrektheit, den Schritt und Trab auf festem Boden. „Hier zeigen sich die Hengste dann oft ganz anders als bei einer Präsentation vor 1000 Leuten wie zum Beispiel in Vechta", weiß Robert Knott.
Bei der Hengstwahl setzen sie nicht ausschließlich Junghengste ein, auch mit „bewährten" Althengsten wie De Niro und Florestan wurde besamt. Und: „Es muss nicht immer der teuerste Hengst sein", meint Knott. Ohnehin hatte er mit F- und D-Linien große Erfolge.
„Wir mussten noch nie ein Pferd zurücknehmen, weder ein Fohlen noch ein Reitpferd", sagt Petra Knott.
Ab Februar wird die Familie immer unruhig. Dann wollen Petra, Robert und Milena wissen, ob ihre Anpaarungen gepasst haben. „Am liebsten sind uns Fohlen, die von März bis April auf die Welt kommen und dann auch auf die Koppel können. Denn Bewegung ist das A und O", sagt Robert Knott.
Auch auf die Erziehung der Pferde wird viel Wert gelegt. So werden den Fohlen ab dem Alter von zwei Wochen täglich Halfter angelegt. Auch dem Schmied werden sie dann bereits vorgeführt. „Je früher man anfängt desto besser. Denn dann haben die Youngsters später weniger Stress", sagen sie.
Andrea Tölle

Sie erreichen die Autorin unter andrea.toelle@dlv.de

 

Und das sind die Mütter
Vier bis fünf Fohlen kommen jedes Jahr auf die Welt. Dafür stehen fünf Zuchtstuten zur Verfügung: Die Staatsprämien- und Elitestute Bonita (v. Rohdiamant/Bolero/Wendekreis, geb. 1997), die Knotts selbst aus ihrer Stammstute Bellinda gezogen haben. Ebenfalls eine Tochter der Bellinda ist die Staatsprämienstute Bonjour Piccola (v. Fürst Piccolo/Bolero/Wendekreis, geb. 2006), deren Vollschwester Bonjour Piccola II (geb. 2007). Eine Enkelin der Stammstute Annabella ist die leistungsgeprüfte Prämienstute Donna Laura (v. Lauries Crusador XX/De Niro/Piaster, geb. 2008).
Außerdem die leistungsgeprüfte Staatsprämienstute Tic Tac Too (v. Cornet Obolensky/Landadel/Tiro, geb. 2009),eine Tochter der Elitestute Tettania.
Alle Stuten kommen aus der eigenen Zucht.